1.7 Über die Vollkommenheit oder die Freiheit von der Sünde.
Frage: Ich schließe aus all den zuvor erwähnten Schriftstellen, dass Christus nicht nur die Vergebung unserer Sünden erworben, sondern auch die Macht erlangt hat, durch die wir schon hier von deren Makel gereinigt werden können: Dürfen wir also erwarten, in diesem Leben von der Herrschaft der Sünde befreit zu werden?
Antwort:
[Röm. 6,14] Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, […]
Frage: Aus welchem Grund?
Antwort:
[Röm. 6,14] […] denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.
Frage: Wie kommt es dann, dass der Apostel über die Sünde klagt und fragt: „[Röm. 7,24] Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?“ Spricht er davon als einen Zustand, der für ihn und andere Heilige ewig währt, oder nur als einen Zustand, den er selbst durchlebt hat? Was sagt er später?
Antwort:
[Röm. 8,1-2] Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
[Röm. 8,34-39] Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: [Ps 44,23] „Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden“. Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Frage: Was sagt jener Apostel dann zu denen, die, ausgehend von seinen Worten, für das Verharren in der Sünde um deren Dauer plädieren und meinen, durch die zugerechnete Gerechtigkeit Christi, da sie unter der Gnade stünden, gerettet zu werden?
Antwort:
[Röm. 6,1-2] Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade überströme? Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in derselben leben?
[Röm. 6,15] Was nun, sollten wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei ferne!
Frage: Ist der Apostel dann nicht so weit davon entfernt anzunehmen, dass dieser Zustand, immer unter der Sünde zu stehen, sein eigener beständiger Zustand oder der aller Heiligen sei, dass er sogar annimmt, dass viele der damaligen römisch-katholischen Kirche, an die er schrieb, davon frei seien? Wie spricht er in Bezug auf diese Angelegenheit über sie?
Antwort:
[Röm. 6,2-7] Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in derselben leben? Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir mit ihm einsgemacht worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein, indem wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen. Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde.
[Röm. 6,10-13] So auch ihr, haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus. So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, um seinen Lüsten zu gehorchen; stellt auch nicht eure Glieder der Sünde dar zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott dar als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit.
[Röm. 6,16-23] Wisst ihr nicht, dass, wem ihr euch darstellt als Sklaven zum Gehorsam, ihr dessen Sklaven seid, dem ihr gehorcht? Entweder der Sünde zum Tod oder des Gehorsams zur Gerechtigkeit? Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde wart, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bild der Lehre, dem ihr übergeben worden seid! Freigemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden. Ich rede menschlich, wegen der Schwachheit eures Fleisches. Denn wie ihr eure Glieder dargestellt habt zur Sklaverei der Unreinigkeit und der Gesetzlosigkeit zur Gesetzlosigkeit, so stellt jetzt eure Glieder dar zur Sklaverei der Gerechtigkeit zur Heiligkeit. Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr Freie von der Gerechtigkeit. Welche Frucht hattet ihr denn damals von den Dingen, deren ihr euch jetzt schämt? Denn das Ende derselben ist der Tod. Jetzt aber, von der Sünde freigemacht und Gottes Sklaven geworden, habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben. Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.
Frage: Bedeutet das also, dass Gott von uns verlangt, perfekt zu sein?
Antwort:
Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Frage: Ist es dann möglich, die Gebote zu halten?
Antwort:
[Mt. 11,30] denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
[1. Joh. 5,3] Denn dies ist die Liebe Gottes, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.
Frage: Ist es für die Erlösung also notwendig, die Gebote zu halten?
Antwort:
[Off. 22,14-15] Glückselig, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Recht haben an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen! Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.
Frage: Verstehst du unter dieser Vollkommenheit, dass jemand die Gebote so gehalten hat, dass er niemals gesündigt hat?
Antwort:
[1. Joh. 1,10] Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.
Frage: Ist das Verständnis, dass diejenigen, die vollkommen sind, sagen können, sie hätten keine Sünde, oder dass sie nur gesündigt haben und somit Sünde besitzen, insofern sie einmal gesündigt haben, wie der Apostel in der zitierten Passage erwähnt? Können sie trotz allem Vergebung der Schuld erlangen, aber auch Reinigung von der Unreinheit?
Antwort:
[1. Joh. 1,8-9] Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.
Frage: Diese Schriftstelle scheint im Vergleich zu der zuvor erwähnten sehr eindeutig zu sein: Da aber manche dazu neigen, die Worte dieses Apostels zu verwechseln und zu verdrehen, was sagt er an anderer Stelle? Hat er geurteilt, dass jemand Gott erkennen oder ein wahrer Christ sein könne, der die Gebote nicht hält?
Antwort:
[1. Joh. 2,1] Meine Kinder, ich schreibe euch dieses, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand gesündigt hat – wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten.
[1. Joh. 2,3-6] Und hieran wissen wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten. Wer da sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in diesem ist die Wahrheit nicht. Wer aber sein Wort hält, in diesem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran wissen wir, dass wir in ihm sind. Wer da sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt hat.
[1. Joh. 3,2-10] Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass, wenn es offenbar werden wird, wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist. Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit. Und ihr wisst, dass er offenbart worden ist, damit er unsere Sünden wegnehme; und Sünde ist nicht in ihm. Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht; jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen noch ihn erkannt. Kinder, dass niemand euch verführe! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie er gerecht ist. Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an. Hierzu ist der Sohn Gottes offenbart worden, damit er die Werke des Teufels vernichte. Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Hieran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar. Jeder, der nicht Gerechtigkeit tut, ist nicht aus Gott, und wer nicht seinen Bruder liebt.
Frage: Geht aus diesen Passagen ganz deutlich hervor, dass die Apostel eine ganz andere Gesinnung hatten als diejenigen, die während ihrer Lebenszeit für die Sünde plädieren, und dass sie sich entschieden gegen die Täuschung derer aussprachen, die sich selbst als gute Christen bezeichnen, während sie in ihren Sünden leben?
Antwort:
[Mt. 7,21-24] Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr!, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter! Jeder nun, der irgend diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute;
[Joh. 13,17] Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut.
Frage: Was sagt der Apostel Paulus weiter über die Notwendigkeit dieser Sache?
Antwort:
[1. Kor. 7,18-19] Die Beschneidung ist nichts, und die Vorhaut ist nichts, sondern das Halten der Gebote Gottes.
Frage: War es nicht nach dem Urteil des Apostels Paulus die eigentliche Absicht Christi, dass seine Kirche und seine Kinder rein und ohne Makel sein sollten?
Antwort:
[Eph. 1,4] wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe;
[Eph. 5,24-27] Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei.
Frage: Betont Paulus nicht neben den bereits erwähnten anderen Stellen dasselbe noch weiter?
Antwort:
[2. Kor. 7,1] Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.
[2. Kor. 13,11] Übrigens, Brüder, freut euch, werdet vollkommen, seid getrost, seid eines Sinnes, seid in Frieden, und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein.
[Kol. 1,27-28] den wir verkündigen, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, damit wir jeden Menschen vollkommen in Christus darstellen;
[Kol. 4,12] Es grüßt euch Epaphras, der von euch ist, ein Knecht Christi Jesu, der allezeit für euch ringt in den Gebeten, damit ihr vollkommen und völlig überzeugt in allem Willen Gottes steht.
[1. Thes. 3,12-13] um eure Herzen tadellos in Heiligkeit zu befestigen vor unserem Gott und Vater, bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen.
[1. Thes. 5,23] Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde tadellos bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Frage: Ist dies nicht genau der Zweck, zu dem Gott Lehrer in seiner Kirche eingesetzt hat?
Antwort:
[Eph. 4,11-13] Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Mann, zu dem Maß des vollen Wuchses der Fülle des Christus;
Frage: Da die Heiligen Männer so sehr darauf Wert legen, gibt die Heilige Schrift, die nicht lügen kann, nicht jedem Heiligen dieses Zeugnis, zeitweise frei von Sünde gewesen zu sein und somit nicht immer und täglich gesündigt zu haben, wie angenommen wird?
Antwort:
[1. Mo. 6,9] Dies ist die Geschichte Noahs: Noah war ein gerechter, vollkommener Mann unter seinen Zeitgenossen; Noah wandelte mit Gott.
[Hiob 1,7-8] Und der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn seinesgleichen ist kein Mann auf der Erde, vollkommen und rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend.
[Lk. 1,5-6] Es war in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, ein gewisser Priester, mit Namen Zacharias, aus der Abteilung Abijas; und seine Frau war aus den Töchtern Aarons, und ihr Name Elisabeth. Beide aber waren gerecht vor Gott, indem sie untadelig wandelten in allen Geboten und Satzungen des Herrn.
Frage: Das beweist hinreichend für einzelne Personen; aber was deutet die Schrift über solche Fälle, selbst bei größeren Zahlen, an?
Antwort:
[Eph. 2,3-6] Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, als auch wir in den Vergehungen tot waren, hat uns mit dem Christus lebendig gemacht, – durch Gnade seid ihr errettet – und hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus,
[Heb. 12,22-23] sondern ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, der allgemeinen Versammlung; und zu der Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten;
[Off. 14,1-5] Und ich sah: Und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm 144000, die seinen Namen und den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben trugen. Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel wie das Rauschen vieler Wasser und wie das Rollen eines lauten Donners; und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfensängern, die auf ihren Harfen spielen. Und sie singen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier lebendigen Wesen und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen als nur die 144000, die von der Erde erkauft waren. Diese sind es, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind Jungfrauen; diese sind es, die dem Lamm folgen, wohin irgend es geht. Diese sind aus den Menschen erkauft worden als Erstlinge Gott und dem Lamm. Und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; [denn] sie sind tadellos.