3.1 Eine kurze Erläuterung und ein Appell an alle anderen Professoren.

Kommt her, lasst uns mit euch, ihr Bekenner des Christentums, welcher Art und Richtung auch immer, diskutieren und eure Katechismen und Glaubensbekenntnisse an dem messen , was die meisten von euch als Prüfstein oder Richtschnur betrachten. Lasst euch nicht länger verblenden und durch eure Unkenntnis der Heiligen Schrift und der Macht Gottes irren. Bekennt vielmehr frei jenes glorreiche Evangelium und Licht, von dem die Heilige Schrift so klar Zeugnis ablegt und dem eure Erfahrung unbedingt entsprechen muss, sowie jene anderen Lehren, die folglich auf jenem edlen und wahrhaft katholischen Prinzip beruhen, in dem die Liebe Gottes allen Menschen so gnädig offenbart wird und seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit wie Zwillinge so harmonisch zusammenwirken; seine Barmherzigkeit im beständigen Erweisen seiner Liebe durch das Streben und Ringen seines Lichts am Tag der Heimsuchung eines jeden Menschen. und seine Gerechtigkeit, sowohl in der Zerstörung und Ausmerzung der bösen Natur und des bösen Geistes in denen, die sich durch seine Gerichte erlösen lassen, als auch in der völligen Vernichtung derer, die gegen das Licht rebellieren und den Geist der Gnade verachten und sich der Besserung verweigern: Nun wird in dieser Abhandlung nicht nur dieses grundlegende Prinzip klar dargelegt, sondern all jene, die darauf beruhen, als die wirkliche und innere Rechtfertigung der Heiligen durch die in ihnen offenbarte Kraft und das Leben Jesu, ihre volle und vollkommene Erlösung vom Leib des Todes und der Sünde, während sie durch das Wirken und die Vorherrschaft seiner Gnade heranwachsen; Und doch, damit keine Sicherheit einkehrt, ist große Wachsamkeit geboten, denn sie könnten sogar, nachdem sie einen guten Zustand erlebt haben, abtrünnig werden und den Glauben und ein gutes Gewissen mit allen Teilen der Lehre Christi, die wie eine goldene Kette miteinander verbunden sind, ins Wanken bringen. Dies beweist sehr wohl die Gewissheit und Tugend der Wahrheit über alle Häresien, Irrtümer und Täuschungen, wie listig sie auch mit ihren trügerischen Behauptungen verziert sein mögen; denn die Wahrheit ist in all ihren Teilen vollständig und in sich stimmig, ohne den geringsten Widerspruch, mit einer wunderbaren Kohärenz und bemerkenswerten Harmonie, die wie die Saiten eines wohlgestimmten Instruments zusammenwirken; wohingegen die Grundsätze aller anderen Bekenner, obwohl die meisten von ihnen in manchen Dingen der Wahrheit nahekommen und einige sie anerkennen, doch in den meisten Dingen von ihr abweichen, sodass ihre Grundsätze einander stark widersprechen und einander in Konflikt geraten. Und obwohl sie sich für einige ihrer Grundsätze auf die Heilige Schrift berufen, sind sie doch seltsamerweise geneigt, diese zu verdrehen und für andere Grundsätze zu verleugnen. Mein Appell an die Heilige Schrift und ihre AuslegungEs geht nicht darum, mit allen möglichen Professoren ein oder zwei Punkte anhand der Heiligen Schrift zu beweisen (denn es gibt einige allgemeine Wahrheitsvorstellungen, denen die meisten (wenn nicht alle) zustimmen), sondern die Gesamtheit unserer Prinzipien in ihrem Verhältnis zueinander zu untersuchen, was keiner von ihnen vollständig leisten kann. Denn unter den vielen Professoren, ihren Katechismen und Glaubensbekenntnissen finde ich keine (außer der nun wieder offenbarten Offenbarung der Wahrheit), die sich nicht in den meisten ihrer wesentlichen Prinzipien stark unterscheiden und in vielen dem klaren Text und Sinn der Heiligen Schrift grob widersprechen. Ich bekenne, dass es in diesem Zeitalter gewisse Männer gibt, die diese Aufgabe mit einem gewissen Anschein von Realität in Angriff nehmen: Dies sind diejenigen, die sich mit keinem leibhaftigen Volk verbünden, ohne sich jedoch vollständig zu ihm zu bekennen. Aber während sie vorgeben, alle Menschen zu lieben, finden sie doch an allem etwas auszusetzen, während sie gleichzeitig kaum Rechenschaft über ihre eigene Religion ablegen können und die meisten von ihnen im Grunde gar keine besitzen: Diese Männer, sage ich, mögen vielleicht einige allgemeine Wahrheiten anerkennen und sich in mancherlei Hinsicht auch an den Buchstaben der Schrift halten, um dadurch Gelegenheit zu finden, andere zu verurteilen, während sie selbst nicht anbieten, diese guten Dinge in die Praxis umzusetzen, für deren Mangel oder Vernachlässigung sie andere verantwortlich machen: Aber ein solches Unterfangen dieser Männer wird (bei näherer Betrachtung) nicht die Erfüllung dieser Angelegenheit sein, da es nicht genügt, viele Wahrheiten anzuerkennen, sondern auch jeden Irrtum zu leugnen und gegen ihn Zeugnis abzulegen; und ebenso darf man keine Wahrheit vernachlässigen, die anerkannt werden sollte: Wohingegen diese Art von Männern zumeist keine Rechenschaft über ihren Glauben in vielen Dingen ablegen können, die geglaubt werden müssen; Und was immer sie auch als wahr anerkennen mögen, sie irren sich schwerwiegend und widersprechen einer Wahrheit, die es unbedingt zu bedenken und zu beantworten gilt, wie hier gezeigt wird, indem sie für keine dieser Entdeckungen, die sie vorgeben zu haben, eintreten, sondern in Zeiten der Prüfung den Kopf in den Sand stecken, um weder für noch mit irgendjemandem leiden zu müssen. Und durch diese oben erwähnten schönen Vorwände, durch ihre Skrupel, sich irgendjemandem anzuschließen, können sie listig den Schwierigkeiten der Verfolgung entgehen, die die einzelnen christlichen Sekten begleiten; und doch beanspruchen sie durch ihre allgemeine Nächstenliebe und Liebe zu allen einen Anteil an allen Wohltaten und Vorteilen, die allen zuteilwerden. Solche können also nicht ehrlich behaupten, ihre Prinzipien und Praktiken mit der Heiligen Schrift zu rechtfertigen. Aber ich verlasse diese Abtrünnigen in der Religion und komme zurück zu den verschiedenen Sekten.

Zunächst zu den zahlreichsten dieser Lehren: Ich denke, ich brauche den Papisten in diesem Fall nicht viel zu sagen, denn sie geben nicht einmal vor, all ihre Dogmen mit der Heiligen Schrift zu beweisen. Es ist eine ihrer Hauptlehren, dass die Tradition Lehren legitimieren kann, ohne dass die Heilige Schrift sie autorisiert. Ja, das Konzil von Konstanz hat es gewagt, zu gebieten, Dinge zu glauben, die nicht der Heiligen Schrift widersprechen (Non obstante Sciptura), d. h. obwohl die Heilige Schrift das Gegenteil sagt. Und in der Tat wäre es ihre große Torheit, vorzugeben, ihre Lehren mit der Heiligen Schrift zu beweisen. Denn die Anbetung von Heiligen und Bildern, das Fegefeuer und das Gebet für die Verstorbenen, der Vorrang des Bischofs von Rom, die Ablassordnung und vieles mehr dieser Art haben nicht den geringsten biblischen Bezug.

Ich weiß, dass die Sozinianer unter den Protestanten große Verfechter der Heiligen Schrift sind und sie in ihren Worten ebenso hoch preisen wie andere. Doch es ist erstaunlich, dass sie nicht nur in vielen Punkten nicht mit der Heiligen Schrift übereinstimmen, sondern in einigen ihrer Hauptprinzipien ihr sogar diametral entgegenstehen. So leugnen sie beispielsweise die Göttlichkeit Christi, die so deutlich wie kaum etwas anderes belegt ist: „ Und das Wort war Gott“ (Johannes 1). Ebenso leugnen sie sein Dasein von Anbeginn an, was dem Tenor von Johannes 1 und anderen Stellen widerspricht, wie im dritten Kapitel dieser Abhandlung ausführlich dargelegt wird. Es gäbe noch vieles andere, was sie betrifft; doch dies mag genügen, um ihrem Prahlen in dieser Angelegenheit ein Ende zu setzen.

Die Arminianer sind in ihrer Ablehnung der falschen Lehre von der absoluten Verdammnis und in ihrer Behauptung der universellen Tragweite des Todes Christi für alle nicht erfolgreicher, als dass sie darin versäumen, diese Erlösung in jenes geistliche Licht zu stellen, mit dem der Mensch durch Christus erleuchtet wird. Sie schreiben fälschlicherweise einen Teil davon dem natürlichen Willen und der natürlichen Fähigkeit zu, die allein der Gnade und Macht Gottes zuzuschreiben ist, durch die das Werk begonnen, fortgeführt und vollendet wird. Und hierin, wie auch in der Verurteilung ihrer Irrtümer durch die Sozinianer und Pelagianer, verfehlen sie es, eine andere, nicht die Wahrheit, an deren Stelle zu setzen. In dieser Hinsicht werden sie durch die Schriftstellen, die ihre Widersacher (die ansonsten ebenso im Irrtum sind wie sie) gegen sie vorbringen, zu Recht widerlegt, indem sie die Verderbtheit des menschlichen Willens von Natur aus und seine Unfähigkeit, Gutes zu tun, ohne die Hilfe der Gnade Gottes aufzeigen.

Andererseits mutet es seltsam an, wie viele Protestanten (deren erster Glaubensartikel die Heilige Schrift als alleinige Richtschnur bekräftigt ) die universelle Tragweite des Todes Christi leugnen, entgegen dem ausdrücklichen Wortlaut der Heiligen Schrift, die besagt: „ Er hat für alle Menschen den Tod erlitten.“ Ebenso leugnen sie die Universalität der Gnade und deren ausreichendes Prinzip, die die Heilige Schrift in so vielen eindeutigen Worten bekräftigt, wie es – außer man nimmt an, die Verfasser hätten etwas anderes gemeint – möglich ist, nämlich: „ Jedem Menschen wird eine Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben; die Gnade Gottes, die das Heil bringt, ist allen Menschen erschienen.“ Und vieles mehr wurde bereits erwähnt. Ähnliches gilt für ihre Leugnung der Vollkommenheit der Heiligen und ihre Behauptung, es sei unmöglich, von den wahren Anfängen der rettenden Gnade abzufallen, entgegen den vielen ausdrücklichen Schriftstellen, die hier bereits angeführt wurden. Um aber all jenen, die sich nicht täuschen lassen wollen, eine umfassendere Gelegenheit zu geben, zu beobachten, wie der Teufel viele missbraucht hat, indem er sich als weise ausgab und sie dazu brachte, falsche und verderbliche Lehren unter dem Deckmantel der Heiligen Schrift zu verbreiten, werde ich einige wenige Beispiele aus dem Glaubensbekenntnis und Katechismus der Theologen von Westminster (so genannt) anführen, da dieses nicht nur von den Menschen in Großbritannien und Irland am weitesten verbreitet angenommen und geglaubt wird, sondern auch den Glauben der französischen Kirchen und der meisten anderen Kirchen in den Niederlanden und anderswo enthält, damit deutlich wird, welch waghalsige Schlussfolgerungen diese Männer gezogen haben, die sowohl dem klaren Sinn der Worte als auch jeglichem gesunden Menschenverstand und der Vernunft widersprechen, um einige ihrer irrigen Prinzipien zu verschleiern.